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Verständigung zwischen Halter und Wellensittich

Rechengenie oder Täuschung?

Ein Beispiel wurde mit einem Papagei durchgeführt, der angeblich rechnen konnte. Der Halter stellte dem Tier eine Rechenaufgabe und der Vogel zog so oft an der Glocke, bis die errechnete Summe zustande kam. Toll, der Vogel kann rechnen… Irrtum… er rechnet nicht, sondern sucht sich eine Person heraus, die für ihn bereits gerechnet hat und achtet auf jede Kleinigkeit.

Er kann in Sekundenschnelle Aktionen aufnehmen und umwandeln. Wenn er z.B. sich eine Person heraus sucht, nickt diese mit dem Ziehen der Glocke. Nach dem Erreichen des Ergebnisses hört die Person auf zu nicken und der Papagei dann ebenfalls mit dem Ziehen an der Glocke. Schon ist die Illusion perfekt! Der Papagei wird aber versagen, wenn keiner vorher das Ergebnis im Kopf bereits errechnet hat.

Ich habe von Fällen gelesen, wo der Züchter den Vogel fragte, ob er denn schon alle neuen Äste begutachtet hat, ohne aber auf eine Regung zu warten. Doch der Vogel turnte plötzlich von Ast zu Ast und ließ dabei keinen aus. Anschließend kam er zur alten Sitzposition zurück. Ist war klar, dass der Vogel die Worte nicht verstand, aber warum reagierte er? Möglich wäre erst einmal der Blickkontakt und nach der Frage vielleicht der Blick zu den Ästen. Außerdem bekommen Lautäußerungen einen fragenden Charakter, wenn die letzte Silbe in der Tonhöhe angehoben wird.

Aber nicht nur sie können dem Vogel zeigen was sie eventuell möchten, sondern sie müssen einmal ihre Tiere beobachten. Zum Beispiel wenn sie ihrem Tier immer wieder ein Salatblatt auf den Volierenboden legen und dieses dort gerne genommen wird. Legen sie es aber eines Tages nicht auf den Boden, sondern spießen es an einem Ast auf, könnte dies auf einmal verschmäht werden, obwohl es sonst gerne genommen wird. Es könnte sich diese Situation ergeben, dass die Wellensittiche erst das Blatt ansehen und gleich danach zum Volierenboden. Mit solchen Kleinigkeiten kann er ihnen zeigen, dass das Salatblatt auf den Boden gehört.

Quelle: WP-Magazin

 

Foto: 23395880 – Gossip © Yuris

Verständigung

Allgemeines

In Deutschland leben Millionen von Papageien, Sittiche und andere Ziervögel. Die Beweggründe solche zu halten sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Die einen wollen sich mit Kanarienvögel einen Gesangskünstler ins Wohnzimmer holen, die anderen wollen sich mit besonders teuren Exemplaren zieren usw.

Wellensittich-Halter denken aber oftmals ganz anders. Sie möchten einen aufgeweckten Kerl, die sein fröhliches Wesen sehr schätzen. Bei ihnen lassen sich ihre natürlichen Verhaltensweisen besonders gut beobachten, denn sie lassen sich durch den Menschen kaum stören, wenn es um die Balz usw. geht

Es ist auch möglich, dass Wellensittiche Töne, Worte oder gar ganze Sätze lernen und diese von sich geben. Aber die Wellensittichsprache mit Gesten und Gesängen ist komplizierter, als wie man es im ersten Moment vermuten mag. Einige werden ihnen hier vorgestellt:

Die Lautäußerungen

Wer kennt nicht das laute Trillern des Männchen. Es wird meistens mit einem „brrr“ eingeleitet und später folgt dann seine stimmgewaltige Aneinanderreihung von Schmetterlauten. Der Gesang ist abhängig vom Alter und seiner Erfahrung und können somit sehr abwechslungsreich sein, von Trommellauten bis hin zu sanften Melodien. Es ist auch Möglich, dass sie dabei Töne einbauen, die sie sich vom Menschen abgehört haben, z.B. das Telefonringen oder die Türklingel.

Mit gespreiztem Kopf- und Kehlgefieder kann solch ein Konzert schon mal bis zu fünf Minuten oder länger andauern. Bei Gemeinschaftshaltung werden auch andere Männchen animiert, ihr Können unter Beweis zu stellen. So wird ein Solo schnell zu einem riesigen Konzert. In der Brutzeit sind die Männchen besonders aktiv, um ihre Liebste zu betören, damit sie sich zur Paarung einstimmt und mit dem Nestbau beginnt.

Ansonsten pflegen die Männchen leises Trillern als Zuneigungsgesang. Es werden leise, kaum hörbare, sehr melodiöse Tonfolgen abgegeben, die den Auftakt zur Gefiederpflege bilden. Auch hier gehen die Verhaltensforscher davon aus, dass dies der Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane dient und der Bereitschaft zur Paarung vergrößert.

Bekannt sich auch die „tuk tuk“ Laute, welche mit gleichzeitigen Schnabelstupsen ebenfalls das Weibchen anregen sollen. Die Wellensittich-Forscherin Barbara Brockway soll durch Nachahmen dieser Laute, ihr Wellensittichweibchen zur Paarunsgbereitschaft angeregt haben.

Schnabelrituale

Besonders beim gefiederten Hausfreund, dem Wellensittich, ist das zärtliche Berühren der Schnäbel ausgeprägt. Bei eingespielten Paaren gehört dies schon zur perfekten Routine, so weiß der andere, ob sein Liebling Lust auf Gefiederpflege hat oder lieber gefüttert werden möchte. Hinzu kommen noch ausgeprägte Verhaltensweisen.

Dabei reicht die Palette an Bewegungen von komplizierten Schaukelbewegungen, rhythmischen Kopfbewegungen und vielen Lautäußerungen.

Vielleicht haben auch sie sich schon einmal über die Bewegungen ihres Tieres gewundert?

Aufgrund der vielen verschiedenen Verhaltensweisen und Individuen, denn auch Wellensittiche haben ihren eigenen Charackter, sind nur wenige in ihrer Bedeutung verständlich.

Dazu zählt unter anderen das Würgen mit gleichzeitigen Öffnen des Schnabels, was einer Erstickung ähnelt. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um einen medizinischen Notfall, sondern um ein normales Ritual. Wellensittiche füttern sich, wenn diese sich zusammen gefunden haben. Besonders während der Balz lässt sich das Hevorwürgen gut beobachten. Dazu werden verdaute Körner wieder hochgewürgt und dem Weibchen zugeführt. Aber nicht nur zur Balz, sondern bei der Aufzucht von Jungtieren lässt sich dieses Verhalten beobachten.

Genauso wie das Füttern, gehört auch das gegenseitige Kraulen, besondern an schwierig zu erreichenden Körperteilen (z.B. Kopfgefieder), zum Partneralltag.

Schlusswort

Wellensittiche zählen nun mal zu den geselligsten Tieren dieser Welt und werden zu Millionen in Käfigen und Volieren gehalten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Papageienart im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelte und ihre Umgangsformen vielfältiger wurden. Sie lernten ständig neue Töne und Laute und „äffen“ schon gerne mal ihren Halter nach oder dessen Telefon. Aber nicht nur seine Begabung ist faszinierend, sondern sein Sozialleben in der Gruppe. Die Gemeinschaft, die alles gemeinsam (Essen, Spielen, Schlafen usw.) unternimmt, kann man mit einer Groß-Familie der Menschen vergleichen. Auseinandersetzungen sind da die Ausnahme. Deshalb kann ich nur jedem Vogelhalter empfehlen, mindestens zwei Exemplare zu halten. Wobei ich finde, dass erst ab vier Wellensittichen die typischen Verhaltensweisen auftreten.

Quelle: WP-Magazin 03/ 1997